Investmail: Investmentsteuerreform und MiFid II

Liebe Kunden,

ist denn schon Weihnachten oder Neujahr? Nein zum Glück noch nicht. Aber es wird in unserer Zusammenarbeit zu Beginn des Jahres 2018 zwei wesentliche Neuerungen geben, über die wir Sie mit dieser Investmail schon jetzt informieren möchten. Zum einen tritt zum 01.01.2018 die neue Investmentfonds-Besteuerung in Kraft und zum anderen gilt ab diesem Zeitpunkt die Finanzmarktrichtlinie MiFID II. Letztere regelt insbesondere die neuen Grundlagen für die Beratungs- und Dokumentationspflichten im Privatkundengeschäft.

 

Beginnen wir mit der Investmentsteuerreform:

Das Gute vorweg: Der Steuersatz für die Abgeltungssteuer verbleibt unverändert bei 25% zzgl. Soli und ggfs. Kirchensteuer.

Ziel der Reform ist insbesondere die Vereinfachung des deutschen Steuerrechts und Angleichung der Steuerregeln in- und ausländischer sowie thesaurierender und ausschüttender Fonds.

Waren bisher bis zu 33 Kriterien notwendig, um die Steuer für einen deutschen Investor zu berechnen, so sind es in Zukunft nur noch vier:

  1. Der Kurs des Fonds zum 01.01. des Jahres
  2. Der Kurs des Fonds zum 31.12. des Jahres
  3. Die Höhe der Ausschüttung im Kalenderjahr
  4. Die Höhe des Basiszinses

Gleichzeitig passt der Gesetzgeber die steuerliche Belastung an die Regelungen an, die für ausländische Fonds in Bezug auf ihre in Deutschland erwirtschafteten Erträge gelten. Bisher zahlen deutsche Investmentfonds keine Steuern auf in Deutschland erzielte Dividenden, Mieterträge und Gewinne aus dem Verkauf von Immobilien, ausländische Fonds hingegen schon. Künftig zahlen auch deutsche Investmentfonds auf die genannten Erträge 15 Prozent an den Fiskus.

Für diese höhere Belastung gewährt der Gesetzgeber sog. Teilfreistellungen für Ausschüttungen und Veräußerungsgewinne. Wer in Mischfonds mit mind. 25% Aktienquote investiert, erhält auf die Erträge eine Teilfreistellung von 15%. Bei Aktienfonds mit mind. 51% Aktienquote werden sogar 30% der Erträge steuerfrei gestellt. Um Ihnen das zu verdeutlichen folgt ein Beispiel:

Sie bekommen für einen reinen Aktienfonds EUR 1.000 ausgeschüttet oder realisieren einen entsprechenden Kursgewinn. Durch die Teilfreistellung erhalten Sie EUR 300 steuerfrei (30%), d.h. Sie müssen nur EUR 700 mit 25% Abgeltungssteuer (zzgl. Soli und ggfs. Kirchensteuer) versteuern. Bisher waren es die vollen EUR 1.000.

Eine aus unserer Sicht ggü. der jetzigen Regelung vorteilhafte Regelung. Die Fondsgesellschaften werden daher in den nächsten Monaten Ihre Anlagebedingungen teilweise entsprechend anpassen.

Um die Besteuerung von thesaurierenden Fonds (diese legen ihre Erträge wieder an) zu vereinfachen, führt der Gesetzgeber die sog. Vorabpauschale ein. Sie wird von der depotführenden Stelle ermittelt und kann ggf. auch bei ausschüttenden Fonds greifen, wenn die Ausschüttung nicht das Niveau des ermittelten Basisertrages erreicht.

Der Basisertrag, der sich am Basiszins bemisst, ist die Ausgangsgröße für die Berechnung der Vorabpauschale. Der Basiszins orientiert sich an der Verzinsung deutscher Staatsanleihen. Er wird von der Bundesbank anhand der Zinsstrukturkurven jeweils zum ersten Börsentag eines neuen Jahres errechnet. 2017 liegt dieser bei 0,59%.

Für die Berechnung des Basisertrages wird zu Beginn eines Kalenderjahres geprüft, ob der Fonds in den vergangenen zwölf Monaten einen Gewinn, also eine Wertsteigerung erzielt hat. Ist dies nicht der Fall, zahlt der Anleger auch keine Vorabpauschale.

Bei positivem Gewinn wird der Rücknahmepreis des Fonds zu Beginn des abgelaufenen Jahres mit 70% des Basiszinses multipliziert. Der nun ermittelte Basisertrag ist bei thesaurierenden Fonds gleichzeitig die Vorabpauschale.

Um Ihnen dies zu veranschaulichen hier ein Beispiel für einen thesaurierenden Aktienfonds:

Rücknahmepreis 01.01.2017: EUR 100

Rücknahmepreis 31.12.2017: EUR 105

(dieser ist höher als am 01.01. also wird die Vorabpauschale errechnet)

Basiszins 01.01.2017: 0,59%

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Basisertrag: EUR 100 * 70% * 0,59% = EUR 0,41

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Da es sich um einen Aktienfonds handelt sind hiervon wiederrum 30% durch die Teilfreistellung steuerfrei.

EUR 0,41 – 30% = EUR 0,29

Somit müssen EUR 0,29 mit 25% Abgeltungssteuer zzgl. Soli und ggfs. Kirchensteuer versteuert werden. Dieser Betrag wird von Ihrem Konto bei der depotführenden Bank eingezogen.

Bei ausschüttenden Fonds muss geprüft werden, ob die bereits erhaltenen Ausschüttungen und der Wertzuwachs größer oder kleiner als der Basisertrag ausgefallen sind. Waren Sie kleiner, muss der Kunde die noch nicht besteuerte Differenz versteuern, ist die Summe der versteuerten Erträge größer, entfällt die Vorabpauschale.

Die Vorabpauschale wird um die ggf. anzuwendenden Teilfreistellungssätze reduziert.

Endgültig abgerechnet wird die tatsächliche Höhe der Steuer bei Veräußerung des Fonds. In diesem Augenblick werden alle bisher gezahlten Steuern seit der Anschaffung von der anfallenden Steuer abgezogen oder entsprechend erstattet.

Fazit:

Der Gesetzgeber versucht schon während der Laufzeit einer Wertpapieranlage einen Teil der ihm zustehenden Steuern zu bekommen und nicht erst am Ende. Da die Depotbanken die Berechnungen für Sie machen, wird das Tagesgeschäft und Ihre Steuererklärung in Zukunft einfacher. An dieser Stelle wird es eher ein Stück preiswerter als bisher.

Jetzt kommen wir aber zum unangenehmen Teil der Steuerreform:

Die Steuerfreiheit auf Kursgewinne bei Anlagen die vor 2009 getätigt wurden fällt zum 31.12.2017 weg. Die Fondsanteile werden zu diesem Zeitpunkt von der Depotlagerstelle fiktiv verkauft (nur rechnerisch), um die bis dahin aufgelaufenen steuerfreien Gewinne zu realisieren. Damit sind ab 2018 alle Kursgewinne steuerpflichtig und es wird bei Veräußerungen die Abgeltungssteuer abgezogen. Jedoch gewährt der Gesetzgeber jedem Anteilsinhaber, der die Altanteile bis zum 31.12.2017 hält für die Zukunft einen Freibetrag von EUR 100.000 (bei Anlagen auf Ehegatten entsprechend EUR 200.000) auf die zukünftigen Kursgewinne genau dieser Wertpapiere.

Die zu viel gezahlte Steuer auf die Altanteile können Sie sich im Rahmen Ihrer Steuererklärung zurückholen. Diese Tatsache empfinden wir als sehr bedrückend und ein falsches Signal für langfristig orientierte Anleger.

Wir schauen uns in den Monaten November/Dezember für Sie alle Depotkonten mit Altanteilen an und prüfen, ob ggf. eine andere Aufteilung (durch Schenkungen an Kinder, Enkel oder den Ehegatten) der Altbestände bei Ihnen Sinn macht. Sollten wir Handlungsbedarf bei Ihnen sehen, sprechen wir Sie an. Sie können bei eigenen Ideen aber gerne auch direkt auf uns zukommen. Wichtig ist, dass mögliche Neuaufteilungen von Altbeständen vor dem Jahreswechsel abgeschlossen sein müssen.

Sollten Sie mehr Einzelheiten und Beispiele zur neuen Investmentsteuerreform benötigen, laden Sie sich einfach die Broschüre des Bundesverband Investment unter:

https://www.bvi.de/uploads/tx_bvibcenter/2017_BVI_Broschüre_Investmentsteuerform_Online_final.pdf

herunter oder rufen Sie uns an, wir schicken Ihnen dann gerne die Broschüre ausgedruckt zu.

 

Kommen wir nun zu den neuen gesetzlichen „Spielregeln“ unserer Zusammenarbeit ab 2018:

Seit Ausbruch der Finanzkrise im Jahre 2008 versucht der Gesetzgeber auf europäischer Ebene die Privatkunden noch stärker vor Schäden aus der Anlageberatung zu bewahren. Dafür werden immer neue Regelungen, mehr Dokumentationen und leider auch immer mehr Papier auf den Weg gebracht, die es leider beiden Seiten (Berater und Kunde) immer schwerer machen, das doch einfache Geschäft der Vergangenheit wie gehabt weiter zu tätigen. Dass der Verbraucherschutz vielfach auch zu Verbraucherverdruss führt, hat der Gesetzgeber leider noch nicht verstanden.

Hier die Änderungen in Kurzform:

  1. Die Kosten einer Kapitalanlage müssen zum Zeitpunkt des Kaufs für die Zukunft kalkuliert und offengelegt werden. Ebenso muss es einen Jahresbericht geben, in dem die tatsächlich anfallenden Kosten des letzten Jahres vollständig aufgeführt sind. Den ersten Bericht diesbezüglich erhalten Sie zu Beginn des Jahres 2019 für das Jahr 2018.
  2. Das Beratungsprotokoll wird durch die Geeignetheitserklärung ersetzt. Anstelle einer Begründung, warum das konkrete Finanzinstrument empfohlen wird, soll künftig erläutert werden, weshalb das jeweilige Produkt sich   konkret für den Kunden eignet. Die Produktanbieter müssen nun zu „jedem“ ihrer Produkte genau definieren,   für welchen Kunden das Produkt geeignet ist. Hierbei werden auch einheitliche Risikoklassen eingesetzt,   sodass wir ggf. ab 2018 bei Ihnen allen ein neues Risikoprofil erstellen müssen, da Sie nur noch Wertpapiere in   Ihrem Depot halten dürfen, die für Sie geeignet sind (auch wenn Sie und wir das ggf. anders sehen als der   Produktanbieter). Es wird daher ein wenig anders, weniger Papier und Bürokratie wird es aber wohl nicht   werden.
  3. Sämtliche Telefonate, die sich inhaltlich auf die Entgegennahme, Weiterleitung und Ausführung von Kundenaufträgen sowie die Beratung über ein Finanzinstrument beziehen, müssen elektronisch aufgezeichnet werden. Die elektronische Kommunikation mit ähnlichem Inhalt ist zu speichern. Erfasst sind hier etwa Videokonferenzen, Fax, eMail, SMS oder Chats. Wir werden in diesem Zusammenhang aus Sicherheitsgründen vermehrt den Kommunikationsweg über die Ihnen zur Verfügung stehende Postbox im Online-Zugang nutzen.

Wir bemühen uns, die Anfang 2018 notwendigen Änderungen, die sich ausschließlich aus der geänderten Gesetzeslage ergeben, für Sie möglichst gering zu halten. Da wir jedoch noch nicht wissen, wie die Produktanbieter ihre eigenen Produkte eingruppieren, sind wir sehr gespannt auf den zukünftigen Abgleich zwischen Theorie der Anbieter und Realität in den Kundendepots.

Vorerst hört es sich nach viel Neuem an und es wird auch bestimmt noch einiges am Anfang gerade bei den Depotbanken noch nicht rund laufen, aber wir sind zuversichtlich, dass wir uns alle gut auf die neuen Bestimmungen vorbereitet haben.

Für Fragen zu diesen Themen stehen wir Ihnen selbstverständlich zur Verfügung.

Ihr Team der Müller & Veith Investment GmbH

 

13. November 2017 I Keine Kommentare I Investmail
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